Ein paar Zahlen zur Eigenreinigung

Seit fünf Jahren diskutiert die Emsdettener Politik über die Eigenreinigung, die mittlereweile an mehreren Objekten eingeführt ist. Erste gute Erfahrungen wurden gemacht, erste Auswertungen zeigen, in welche Richtung es weiter gehen sollte (nämlich bei einem Schwerpunkt bei Kitas).

Also alles ganz einfach? Leider nein. Seit Anfang an versucht die CDUWE, das Thema ideologisch auszuschlachten und setzt es ein, um sich für den städtischen Haushalt in eine Totalopposition zu begeben. Unterstützt wird sie darin von Teilen der Verwaltung, die von Anfang an zumindest teilweise fragwürdige Zahlen heranzog.

Auch in der Vorlage, die uns in diesem Sommer vorgelegt wurde, war es nicht anders. Unser stellvertretender Fraktionsvorsitzender Philpp Beicke hat sich die Zahlen noch einmal genau vorgenommen; das Ergebnis folgt hier im vollen Wortlaut:

Aus der Ratssitzung am 12. Oktober

„Über die Eigenreinigung reden wir hier seit Jahren. 2022 hat der Rat entschieden: Wir holen die Reinigung Schritt für Schritt zurück, und nach jedem Schritt wird geprüft. Genau an diesem Punkt stehen wir heute.

Die Verwaltung sagt: Alternative 2 kostet im Jahr 152.000 Euro mehr als Fremdreinigung. 87.000 Euro davon fallen laut Verwaltung schon heute an. Die Rechnung dahinter ist simpel: Man nimmt die durchschnittlichen Mehrkosten unserer vier Pilotgebäude, 5,6 Cent pro Quadratmeter oder 31 Prozent, und rechnet sie auf die neue Fläche hoch. Schauen wir da mal kurz rein.

Erst mal die 87.000 Euro von heute. Nimmt man die Kostenanteile, die die Verwaltung im August vorgestellt hat, kostet die Reinigung selbst, also unsere Kräfte plus Material gegen die Rechnung der Firma, ca. gleich viel. Der Unterschied steckt in der Verwaltung drumherum.

Zum Beispiel stecken in den 87.000 Euro 21.000 Euro für die Objektleitung. Laut Vorlage sind das die Kosten, die aktuell nicht für die Eigenreinigung eingesetzt werden. Laut derselben Vorlage arbeitet die Objektleitung zu 30 Prozent in der Fremdreinigung. Trotzdem werden diese 21.000 Euro als Mehrkosten der Eigenreinigung gezählt. Ohne sie sind wir bei 66.000 Euro.

Jetzt zum Ausbau, und hier liegt der eigentliche Haken

In den 5,6 Cent pro Quadratmeter steckt schon die komplette Leitung: Reinigungsmeister, Vorarbeiterin, Sachbearbeitung. Dieser Wert wird jetzt mit mehr als der doppelten Fläche multipliziert. Das heißt, es wird so gerechnet, als bräuchten wir dann auch mehr als doppelt so viel Leitung. Die Verwaltung schreibt aber selbst: Bis 2,7 Millionen Quadratmeter braucht es keine zusätzlichen Overheadstellen. Die Struktur ist also da, und wir bezahlen sie schon. Die KGSt nennt für Leitung und Organisation bei Reinigungskräften als Orientierung 5 Prozent der Personalkosten. Bei uns sind es nach den Zahlen der Verwaltung rund 31 Prozent, eben weil diese Struktur heute auf weniger als die Hälfte der möglichen Fläche verteilt wird. Das ist wie beim Fitnessstudio: 30 Euro im Monat, zweimal hingegangen, macht 15 Euro pro Training. Gehe ich ab jetzt zehnmal, kostet mich das natürlich nicht 150 Euro. Genau so wurde hier aber gerechnet.

Schritt für Schritt, mit den Zahlen und Methoden der Verwaltung:

Erstens: Rechnet man beim Ausbau nur das, was wirklich dazukommt, also Reinigungskräfte, Material und Personalverwaltung, kostet der Ausbau rund 25.000 statt 65.000 Euro. Die Objektleitung lasse ich dabei drin, denn bei mehr Fläche arbeitet sie ja voll für die Eigenreinigung. Damit sind wir bei rund 112.000 Euro.

Zweitens: Unsere Kräfte reinigen pro Stunde 9,1 Prozent weniger Fläche als die Firmen. Das war politisch so gewollt, damit die Leute gesund bleiben und nicht ständig wechseln. Die Verwaltung hat uns letztes Jahr selbst geschrieben: Bei gleichen Leistungswerten wären die Firmen um etwa 9,1 Prozent teurer. In der heutigen Vergleichsrechnung finde ich diese Korrektur nicht. Rechnet man sie ein, sind wir bei rund 72.000 Euro.

Also noch mal zusammen: 152.000 Euro, minus rund 40.000 für Leitungskosten, die beim Ausbau gar nicht neu entstehen, minus rund 40.000 für die fehlende Korrektur bei den Leistungswerten. Bleiben rund 72.000 Euro. Auch das ist Geld, das ist uns klar. Was wir dafür bekommen, sage ich gleich.

Gleichzeitig werden die Firmen nicht billiger, im Gegenteil. Was 2024 in der Fremdreinigung 100.000 Euro gekostet hat, kostete 2025 bei Grundschulen rund 124.000 und bei Sporthallen rund 133.000 Euro. In einem einzigen Jahr. Unsere Eigenreinigung ist im selben Zeitraum bei allen vier Gebäudetypen günstiger geworden. 2024 lag der Unterschied im Schnitt bei 83 Prozent, 2025 noch bei 31.

Was bekommen wir dafür?

Der Branchenmindestlohn in der Gebäudereinigung liegt bei 15 Euro. Unsere Kräfte lagen schon 2024 im Schnitt bei 18,67 Euro, inklusive Zuschläge, und haben unbefristete Verträge. Mängel werden in der Regel innerhalb eines Tages behoben, und die Leitungen von Schule, Kita und Bibliothek sind durchweg sehr zufrieden.

Und jetzt das Wichtigste: All diese Zahlen, auch die 72.000 Euro, rechnen noch mit den Gebäuden, die wir heute in Eigenreinigung haben, also auch mit der Johannesschule. Und genau die zieht den Durchschnitt hoch: Bei der Grundschule liegen wir gut 10 Cent pro Quadratmeter über der Firma. Bei den Kitas liegen wir laut Verwaltung 1,4 Cent darunter, bei den Sporthallen rund 1 Cent darüber. Wie wir letzte Woche im HFS gehört haben, sollen die teuren Gebäude wieder an Firmen gehen und dafür Kitas und Hallen in die Eigenreinigung kommen. Dann sinkt nicht nur ein bisschen, dann sinkt der ganze Vergleichswert, mit dem hier gerechnet wird. Und die Mehrkosten gleich mit.

Und damit an die Kolleginnen und Kollegen hier gegenüber, die bei jeder Gelegenheit von Wirtschaftskompetenz sprechen: Wirtschaftskompetenz heißt, Zahlen zu prüfen, bevor man sie benutzt. Wer sich diese Vorlage wirklich anschaut, sieht schnell, dass man die 152.000 Euro so nicht hochrechnen kann. Die Zahl einfach eins zu eins zu übernehmen und als Argument gegen die Eigenreinigung zu verwenden, das ist keine Wirtschaftskompetenz. Das ist Abschreiben ohne Nachrechnen.

Wir stimmen deshalb für Alternative 2. Und wir erwarten, dass dabei, wie in der Vorlage angekündigt, vorrangig Kitas und Sporthallen übernommen werden, und dass wir uns die Zahlen danach wieder genau anschauen. Vielen Dank.“

Wie immer gilt: Nach der Evaluation ist vor der Evaluation.

Antrag: Bessere Zahlen bitte, liebe Verwaltung!

Deshalb hat die SPD-Fraktion im Anschluss an die Ratssitzung einen Antrag an die Verwaltung gestellt, bei der nächsten fälligen Evaluation mit einem zuverlässigeren Zahlenmaterial zu arbeiten. Das heißt im einzelnen:

  1. Trennung von fixen und variablen Kosten;
  2. Unterscheidung der Ist-kosten nach Gebäudetyp und Objekt
  3. Darstellung der tatsächlichen Mehrkosten nach dem Ausbau
  4. Gesonderter Ausweis der Leistungswerte
  5. Aufschlüsselung nach Kostenarten
  6. Bereitstellung der Einzeldaten (Rohdaten).

Den kompletten Antragstext finden Sie wie immer unter: https://emsdetten.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZVs5dg9BTwoFGNTx9G5ImKHmN_6QdTpT5FsSQhLMLDMu/SPD-Fraktion_-_Antrag_Neuberechnung_Eigenreinigung.pdf