Aus der EV vom 05. April 2005

 „Auch mal Hammer in die Ecke werfen!“

Emsdetten - Arbeitszeitverlängerung „Fluch oder Segen“ Mit dieser Frage beschäftigte sich am Montagabend die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) der SPD.

Herbert Speemanns, Vorsitzender der Ems- dettener AfA und stellvertretender ver.di- Ge- schäftsführer im Münsterland, führte durch den Abend und teilte mit seinen Genossen und Genossinnen die gleichen Sorgen: Die Erfah- rung habe gezeigt, so Speemanns, dass län- gere Arbeitszeiten zu Stellenabbau führten.

Der engagierte Sozialpolitiker belegte seine Aussage anhand eines Rückblicks auf den Kampf um die 35-Stunden-Woche Mitte der 80er Jahre. „Erst als man die Wochenarbeits- zeit sukzessive reduzierte, wurden wieder mehr Stellen geschaffen“, erklärte Speemanns und zeigte das mit Hilfe einer Grafik auf. Mit weiteren Statistiken widerlegte er die Mär vom „Freizeitpark Deutschland“, machte auf Überstundenkonten aufmerksam, die kaum noch abzubauen seien, referierte über die zunehmende Flexibilität und Mobilität deut- scher Arbeitnehmer und zeigte Zahlen und Fakten zum Thema Minijobs auf.

Tiefe Sorgenfalten

Währenddessen schienen sich die Sorgenfalten in die Gesichter der SPD-Mitglieder immer tiefer zu graben. Bei der anschließenden Diskussion ließen sie dann ihren Dampf ab und hatten Mühe, ihre Befürchtungen über die Zukunft deutscher Arbeitnehmer nur auf das ursprüngliche Thema Arbeitszeitverlängerung zu beziehen.

So machte Marie-Therese Hölscher auf die ungerechte Vermögensverteilung und die dadurch ent- stehende Klassengesellschaft aufmerksam, während Jochen Jenders den Stellenabbau im Emsdettener Rathaus anprangerte: „Mitarbeiter gehen in den Ruhestand und werden stillschweigend nicht mehr ersetzt.“

Mehr Arbeit

Das bedeute zwangsläufig mehr Arbeit für die übrigen Beschäftigten oder weniger Service für den Bürger. Es sei vor allen Dingen eine „Sauerei“, nicht zu sagen, warum diese Stellen nicht mehr besetzt würden.

Mechthild Frenking kam anschließend auf die derzeitige Situation von neu eingestellten Mitarbeitern zu sprechen. Es gäbe fast ausschließlich befristete Verträge und zumeist würden die Tarifansprüche untergraben. Bärbel Rudat stimmte ihr nickend zu und ver- mutete, dass Unternehmer so das Wahlergebnis bestrafen würden.

Entsolidarisierung

SPD-Bundestagsabgeordneter Reinhold Hemker sieht eine Tendenz zur Entsolidarisierung der Arbeitnehmer. „Die Arbeitgeber haben uns durch die Arbeitslosenzahlen dort, wo sie uns haben wollen“, stimmte Helmut Laumann zu. Albert Lüke sah am Montagabend nur einen einzigen Weg aus der Krise: „Wir müssen wieder lernen zu kämpfen und zusam- menzuhalten! Was wir verlernt haben, ist auch mal den Hammer in die Ecke zu werfen!“                                                                                                    - as