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Dr. Thomas Kock sagt: Im bisherigen Prozess sind gravierende Fehler
gemacht worden, die Strukturgruppe hat aber entscheidende Weichen
gestellt.
EV-Foto Keblat
„Einfach ‚weiter so‘ klappt nicht“
EMSDETTEN. Gibt es künftig statt der Real- und der Hauptschule nur noch
Verbund- oder Gemeinschaftsschulen? Wie viel Veränderung ist nötig - und
wie viel ist möglich?
Über das Zukunftskonzept für Emsdettens weiterführende Schulen, über gute
Ansätze auf der einen und eine Serie von Pleiten und Pannen auf der
anderen Seite sprach Redaktionsleiter
Christian Busch mit Dr. Thomas Kock, Fraktionsvorsitzender der SPD und Gymnasiallehrer.
Warum braucht Emsdetten ein Zukunftskonzept für die weiterführenden
Schulen?
Wir brauchen sogar eine Schulreform für Emsdetten, und das ist den Zahlen
geschuldet. Im Jahr 2004/05 gab es in Emsdetten 1858 Grundschüler, nach
einer Prognose der Stadtverwaltung werden es im Schuljahr 2015/16 noch
1209 sein. Das bedeutet einen Rückgang der Grundschulzahlen um ein Drittel
in zehn Jahren. Und die Tendenz wird weiter fallend sein.
Das monatelang erarbeitete Zukunftskonzept für die weiterführenden Schulen
ist - um es vorsichtig auszudrücken - nicht gerade glücklich gestartet:
Politik und Verwaltung müssen nachsitzen. Schulen sind verstimmt und
fühlen sich außen vor gelassen, Eltern sind verunsichert. Was ist da
schief gelaufen?
Meiner Meinung nach hat es bis zur Veröffentlichung einfach zu lange
gedauert. Die Abstimmung hätte besser sein können, die Bezirksregierung
hätte früher eingeschaltet werden müssen. Neudeutsch gesagt: Das Ganze
ist nicht gerade ideal kommuniziert worden. Für mich bestätigt sich
gerade in dieser Frage noch einmal, dass wir in Emsdetten dringend einen
Beigeordneten benötigt hätten, der das wesentliche Thema Schulen
bearbeitet.
Die CDU hat jetzt angekündigt, die Eltern stärker einzubinden, ihre
Wünsche abzufragen. Wie verhält sich die SPD?
Das finde ich selbstverständlich und prima. Wir brauchen einen möglichst
breiten Konsens.
Die Zeit der Ideologien ist in dieser Frage Gott sei Dank vorbei. Wir
müssen pragmatische
Entscheidungen treffen.
Warum sind die Eltern denn nicht von vorne herein stärker eingebunden
worden? Das wäre doch nahe liegend gewesen?
Selbstverständlich mussten erst einmal Grundlagen geschaffen werden. Es
mussten Zahlen
her, klar werden, worüber reden wir hier überhaupt. Wie kann es weiter
gehen? Welche
Möglichkeiten hat die Politik überhaupt? Wie können wir reagieren? Das war
Aufgabe
der Schulstrukturgruppe, und das ist auch passiert. Der nächste
Es war aber auch zu hören, dass die Eltern in dieser frühen Phase bewusst
nicht eingebunden werden sollten, um unnötige Unruhe an den Schulen und
Konkurrenzkämpfe zu vermeiden...
Ich halte es zumindest für vernünftig, dass man mit konkreten Vorschlägen
in die Diskussion hinein geht. Sonst schafft man eben diese Unruhe. Das
führt letztlich dazu, dass alle Schulen gar nicht mehr wissen, wie es
weitergehen kann und soll. So etwas verunsichert
Eltern und Lehrer gleichermaßen, und das kann nicht das Ziel sein.
Aber wie kann man sich denn der Illusion hingeben, dass über einen so
langen Projekt-Zeitraum, der zudem noch zweimal durch die Verschiebung
von Ausschusssitzungen verlängert wurde, keine Informationen
durchsickern, die dann erst recht für Verunsicherung sorgen?
Ja gut, das hat ja eine ganze Zeit recht gut geklappt. Und die Rektoren
der weiterführenden
Emsdettener Schulen waren frühzeitig eingebunden. Ich hatte es bereits
gesagt: Die Ergebnisse sind zu spät kommuniziert worden, auch dadurch ist
der Unmut entstanden.
Gerade Rektoren kritisieren aber auch, sie seien in dem Prozess vielmehr
informiert und nicht integriert worden. Müssen jetzt auch die Schulen
noch einmal intensiver beteiligt werden?
Ja, auf jeden Fall. Wie gesagt: Das Ziel ist, dass die Schulen und die
Kollegien hinter den Konzepten stehen, die erarbeitet werden. Dass sie
diese Konzepte miterarbeiten.
Aber mal ehrlich: Wie kann es passieren, dass ein monatelang intern
diskutiertes Projekt erst zwei Wochen vor der Präsentation mit der
Bezirksregierung abgestimmt und dann von dieser in Teilen gekippt wird?
Das halte ich für einen gravierenden Fehler. Und ich bin der Meinung,
dass dies gerade durch die Verwaltung hätte professioneller begleitet
werden können. Ich sag's nochmal: Wir brauchen in Emsdetten einen
Beigeordneten, der für dieses Thema zuständig ist. Hier müssen deutlich
bessere Absprachen mit der Bezirksregierung erfolgen.
Zur Sache: Wie sinnvoll ist auf lange Sicht das jetzt im Raum stehende
Konzept mit zwei Verbund- und einer Halbtags-Realschule?
Ich hielte eine Lösung für besser, die neben dem Gymnasium zwei
Gemeinschaftsschulen vorsieht. Eine Gemeinschaftsschule ermöglicht
längeres gemeinsames Lernen, zumindest bis zum sechsten Schuljahr. Die
Gemeinschaftsschule ermöglicht es, die Stärken und Schwächen der Schüler
besser auszuloten, darauf besser und individueller einzugehen.
Wird das Zukunftskonzept am 12. April beschlossen, oder muss nach den
Diskussionen der letzten Wochen die Notbremse gezogen werden?
Nein. Wir müssen keine Notbremse ziehen. Wir werden einen Beschluss
fassen. Allerdings wird der ganz sicher zu einer Menge Diskussionen
führen, und diese Diskussionen müssen wir auch zulassen. Es muss noch
einen Gestaltungsspielraum geben. Eltern, Lehrer müssen noch Einfluss
nehmen können. Es müssen noch eine Menge Gespräche erfolgen. |