aus der EV vom 17. 06.2011

 

Schade: Die relativ wenigen Interessenten, darunter viele SPD-Mitglieder, verloren sich im Bürgersaal.                                                                        EV-Fotos Schwarz 

Es kann nur eine geben

SPD sieht Gemeinschaftsschule als Lösungsweg / Setzen auf politischen Konsens

EMSDETTEN. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Thomas Kock machte keinen Hehl aus sei-ner Enttäuschung: „Ich bin sehr überrascht, dass so wenige gekommen sind, obwohl sehr viele betroffen sind."

Nur 22 Personen waren am Mittwochabend der Einladung der SPD gefolgt, sich im Bürgersaal über die Schulstrukturreform und besonders die Gemeinschaftsschule zu informieren und darüber zu diskutieren - die zahlreichen SPD-Mitglieder schon mitgezählt.

Woran lag es?

Lag es an der etwas irritierenden Nachrichtenlage zur Gemeinschaftsschule nach dem OVG-Urteil, wie einzelne Teilnehmer während der Diskussion vermuteten? Oder an anderen Faktoren? Später bescheinigten die Anwesenden jedenfalls, dass Kock und seine Mitstreiter auf dem Podium fundierte Informationen über die Schulsituation geliefert hätten - der Abend hätte mehr Gäste verdient.

So legte Gerd Endemann eindrucksvoll dar, warum für Emsdetten kein Weg an der Ge- meinschaftsschule vorbei gehe. „Demografischer Wandel und Defizite der heutigen Sekundarstufe I zwingen zum Handeln", meinte der SPD-Schulexperte, der die Schul-entwicklung ohne Änderung der Schullandschaft jener mit zwei Gemeinschaftsschulen gegenüber stellte und „mehr Chancen durch eine Schule für alle" sah. SPD-Ratsherr Elmar Schumacher beleuchtete Eckpunkte des pädagogischen Konzeptes der Gemein-schaftsschule: „Etwa 30 Prozent der Schüler gehen auf die falsche Schule", schätzt der Diplom-Sozialpädagoge, der sich Schulen auch unter dem Aspekt „Anerkennung von Leistung" ansah.

Warum es nicht einfach ist, für die Gemeinschaftsschule eine gesetzliche Basis zu schaffen, die alle Beteiligten zufrieden stellt, erläuterte Dr. Jürgen Schmitter, SPD-Mitglied im Kreistag. „Im Kreis Steinfurt gibt es 24 Städte und Gemeinden. Jede mit einer anderen Situation, auf die das Gesetz reagieren muss. Da steckt der Teufel im Detail." Ebenso wie Kock erwartet er, dass das Gesetz noch in diesem Jahr verabschiedet und ab dem Schul-jahr 2012/13 umgesetzt werden könnte. Deshalb gelte es, weiter am pädagogischen Kon-zept zu arbeiten.

„In Sachen Schulstruktur zieht die lokale Politik parteiübergreifend an einem Strang", ist Kock überzeugt, der aber große Beharrungskräfte bei den Eltern noch als Problem ausmacht. „Wenn sich da nichts ändert, wird unsere Hauptschule ebenso wie eine der Realschulen bald geschlossen werden müssen - und auch das Gymnasium Schwierigkeiten bekommen. Die Zahlen sind eindeutig."

Mehr davon

„Nehmen Sie Eltern durch mehr Transparenz und mehr Kommunikation verstärkt ins Boot", lautete in der anschließenden Diskussionsrunde die Kernforderung der Eltern an die Politik. Dazu passte auch die Bitte eines Großvaters: „Tragen Sie dafür Sorge, dass künftig mehr Interessenten an Veranstaltungen wie die­ser teilnehmen."                   Rainer Schwarz

 

Lieferten fundierte Informationen zu Gemeinschaftsschule und Schulstrukturreform in Emsdetten (v.l.): Gerd Endemann, Dr. Thomas Kock. Dr. Jürgen Schmitter und Elmar Schumacher.