aus der EV vom 20. Jan. 2009
Emanzipation verschlafen:
Erste Frau 1929 in den Stadtrat gewählt

von Christian Kiel am 20. Januar 2009

EMSDETTEN Auf eine Art Ahnensuche hat sich Historikerin Anke Hackethal im Staub des Stadtarchivs gemacht. Die SPD-Politikerin hat die erste Emsdettener Ratsfrau nach Einführung des Frauenwahlrechts wiederentdeckt: Christina Niehoff.
 
Die Historikerin Anke Hackethal forscht nach den ersten Frauen
im Emsdettener Stadtrat.
Foto Kiel

Die Textilarbeiterin zog 1929 als erste Frau im Alter von 26 Jahren für die christliche Zentrumspartei in den Stadtrat ein. Emsdetten hatte also zehn Jahre in der Emanzipation verschlafen, denn eingeführt war das aktive und passive Frauenwahlrecht in der Weimarer Republik schon seit dem 19. Januar 1919, vor 90 Jahren also. Dieses Jubiläum weckte Anke Hackethals Interesse.

„Das politische Leben in der Stadt lag fest in Män­nerhand“, beschreibt sie ihre Re­cher­che­er­geb­nis.“ Das politische Leben in der Stadt lag fest in Män­nerhand", beschreibt sie ihre Recherche­er­geb­nis Frauen erfuhren von den Parteien kaum Be­rücksichtigung, wurden entweder gar nicht erst zur Wahl aufgestellt oder nur auf Listenplätzen sehr weit hinten. Plätze, die eine Wahl fast un­möglich machten.

Zwar lebten zwei Millionen mehr wahlberechtigte Frauen als Männer in den Zwanziger Jahren in der Republik. Dennoch errangen sie bei der ersten Wahl nur elf Prozent der Sitze in den Gemein­de­ver­tretungen. In Emsdetten war mit der Arbeiterin Auguste Wolf auch eine Frau für die SPD ange­tre­ten, allerdings stand die Dame an vorletzter Stelle der Wahlliste.

Männerwirtschaft

Bei den Wahlen 1924 und 1929 versuchten drei weitere Frauen, sich für Emsdettener Lokalpolitik zu engagieren, Maria Huesstedde und Sophia Schwarte scheiterten, aber Christina Niehoff von der Isendorferstraße 11 beendete vorläufig die Männerwirtschaft im Rat. Sie muss die Ratsarbeit gemocht haben, denn 1933 stellte sie sich erneut zur Wahl - ohne Erfolg.