Rede zur Beratung des Haushaltsplans der Stadt Emsdetten am 18.12.2007

Lothar Slon – Fraktion der SPD im Rat der Stadt Emsdetten

(Es gilt das gesprochene Wort.)  

Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen,  

„Bis 2011 flüssig“, „Es steht gut um die Finanzen“, „Mehr Geld für die Vereine“.  

Die positiven Schlagzeilen aus der Emsdettener Lokalpresse der letzten Wochen, so scheint es, passen so richtig gut in die Weihnachtszeit. Die städtischen Finanzen sind nicht nur in Ordnung, das Stadtsäckel gibt sogar noch ein paar kleine Geschenke her. So weit – so gut.  

Nun ist es – wie immer – eine Frage der Perspektive, wann man einen Haushaltsplan für akzeptabel oder für nicht mehr in Ordnung hält: dem Betrachter mit einem Hang zum Sparkommissar wird immer zu viel ausgegeben, andere geben gern mit leichter Hand aus, im Vertrauen darauf, dass es schon irgendwie wieder hereinkommt.  

Der Haushaltsplan der Stadt Emsdetten für das Jahr 2008 beschreitet – im Großen und Ganzen -  wohl den richtigen Weg: strukturell ausgeglichen, ohne Nettoneuverschuldung, aber auch mit den notwendigen, zum Teil hohen Investitionen, um unsere Stadt attraktiv zu erhalten. Ich muss nicht im Einzelnen darauf eingehen, mein Vorredner hat die Gelegenheit genutzt, um dies – ein weiteres Mal – ausführlich zu schildern, und natürlich für seine Partei in Anspruch zu nehmen.  

Für die Fraktion der SPD greife ich nur kurz die Projekte heraus, die für uns immer Priorität hatten und die wir von Anfang an begleitet und unterstützt haben: Die Modernisierung des Bahnhofs und seines Umfeldes. Die hier investierten und noch zu investierenden Mittel sind ein absolutes Muss, der Bahnhof wird ein attraktives Eingangstor für die Emsdettener Innenstadt bilden. Dazu haben alle beigetragen, es hat lange gedauert, aber die endgültige Fertigstellung ist nun absehbar.  

Allerdings kann ich mir bei dieser Gelegenheit doch eine kleine Anmerkung nicht verkneifen: In der so genannten „Zwischenbilanz“ seiner Partei wird der CDU-Vorsitzende des Infrastrukturausschusses mit folgenden Worten zitiert: „Mit der Fertigstellung haben wir endlich einen richtig schönen Bahnhof.“ Ich erlaube mir,  ihn in seiner Begeisterung an Folgendes erinnern: Als die Fraktion der SPD vor nunmehr genau acht Jahren als erste den Antrag stellte, die Stadt Emsdetten möge sich um Aufnahme in das 100 Bahnhöfe Aktions-Programm des Landes NRW (9.9.1999) bemühen, bot er im damaligen Bau- und Verkehrs-Ausschuss seine ganze Kraft auf, um eine Abstimmung über diesen Antrag zu verhindern, mit dem Argument, das Programm gebe es gar nicht.  

Vergessen wir’s, freuen wir uns darüber, dass wir dieses Projekt im nächsten Jahr zum Abschluss bringen.  

Dasselbe gilt für die Sanierung der Innenstadt. Im Gegensatz zu anderen Fraktionen des Rates hat die SPD von Anfang an die Position vertreten, dass die Sanierung eine absolute Notwendigkeit ist. Für das mittelfristig angelegte Gesamtprojekt in fünf Abschnitten und die dafür notwendigen Investitionen treten wir auch weiter ein.  

Vom 18.11.2006 stammt der Antrag der SPD-Fraktion, eine Schuldnerberatungsstelle in Emsdetten einzurichten. Nach längerer Beratung wird sie nun kommen, die Mittel dafür sind ebenfalls im Haushalt veranschlagt.  

Mit der eben beschlossenen Ausbau-Planung für den HandwerkerGewerbePark nimmt eine Projekt konkrete Formen an, das ebenfalls auf die Initiative der SPD-Fraktion zurückgeht. Unserem Antrag zur Errichtung eines damals noch so genannten „Gründerzentrums“ folgte in Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse und der LEG ein langer Planungsprozess, der nun zum Abschluss kommt. Wir freuen uns, dass ein attraktives Gewerbegebiet realisiert wird, in dem die Stadt Emsdetten Existenzgründern und –festigern bedarfsgerechte Grundstücke zu günstigen Konditionen anbieten kann.  

Nehmen wir die kurzfristig gestellten Anträge der SPD-Fraktion zum Etat 2008 hinzu, so ist auch die im Rahmen des 100 Alleen Programms des Landes geforderte Neuanlage, Ergänzung und Wiederherstellung von Baumalleen in Emsdetten finanziell berücksichtigt, für andere, die ich hier im Einzelnen nicht aufzählen will, wurde von Verwaltung und Mehrheitsfraktion eine wohlwollende Behandlung in 2008 zugesagt.  

Eine in der Tat denkwürdige politische Haltung, die auch dem Berichterstatter der Lokalpresse auffiel und ihn zu der Spekulation hinriss, ob CDU und Verwaltungsspitze nur deshalb solche Nachgiebigkeit zeigten, um für den Haushaltsplan „eine möglichst breite Mehrheit“ zu bekommen.  

Solche Spekulation übersieht, dass es auch weiterhin durchaus gravierende Differenzen zwischen der Fraktion der SPD und der Mehrheit dieses Hauses gibt.  

Das von der CDU im letzten Jahr beschlossene sogenannte „Patengeld“ halten wir auch weiterhin für völlig verfehlt. Sie werden damit keine „Familien gewinnen“, sondern allenfalls ein paar Wählerstimmen, was ja wohl auch der tiefere Sinn diesen familienpolitisch sinnlosen Aktion ist. Die von Ihnen stolz präsentierten Zahlen über ausgezahltes „Familiengeld“ belegen nur den selbstverständlichen Tatbestand, dass jeder gerne zugreift, wenn man ihm Geld schenkt. Der familienpolitische Effekt ist gleich null, was Ihnen ja übrigens auch die  wissenschaftliche Autorität des Bevölkerungswissenschaftlers Birg ins Stammbuch geschrieben hat, als er ihr Projekt „nur eine symbolische Aktion“ (EV 6.2.2007) nannte.

Eine sehr teure symbolische Aktion, die 631.000 € des Etats ließen sich familienpolitisch sinnvoller anlegen.  

Zum Beispiel, indem Sie schon jetzt Mittel für die Errichtung einer Kindertagesstätte im Lerchenfeld in den Etat stellten, wie die SPD-Fraktion am 19.11. beantragt hat, um den eindeutigen politischen Willen zu bekunden, dass diese auch gebaut wird. Sie haben diese Entscheidung auf das nächste Jahr vertagt, wollen – wie so oft – weitere Erhebungen abwarten. Die Bereitstellung von Mitteln für eine KiTa im Lerchenfeld hat der Kollege Liebig im HFS allerdings schon mit dem Zusatz relativiert, „sofern in Emsdetten weitere KiTa – Plätze benötigt werden“. Das lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen, oder einmal anders gefragt: Ist das Teil des „Zukunftskurses“, von dem der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Presse spricht. Die Eltern werden es anders sehen.  

Zukunft – das ist überhaupt eines der beiden Zauberworte, das nach eigenem Bekunden alles Handeln von Verwaltung und Mehrheitsfraktion leitet. Da behaupte ich zunächst mal, dass wir alle hier angetreten sind, um dafür zu sorgen, dass es Emsdetten auch künftig gut geht.  

Aber nun heißt es: „Emsdetten macht Zukunft. Jeden Tag!“ Vielleicht sollte man den Erfinder dieses Slogans einmal dazu zwingen, dieses „Produkt Zukunft“ für das Haushaltsbuch zu definieren. Der sprachliche Unsinn, der hier betrieben wird, würde sich schnell herausstellen. Aber: genau das ist  Methode. Die Methode dessen, was im Marketing „Imagekampagne“ genannt wird. Und genau das ist das zweite Zauberwort, mit dem CDU und Bürgermeister glauben diverse Probleme lösen zu können. Für viel Geld, 75.000€ immerhin, die Sie als „Peatnuts“ betrachten, soll die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt weiter angekurbelt werden.  

Hier tut es weniger auch, denn die Erfinder von „Image-Konten“, „Corporate Identity“, „Gallery Walk“ (So nennt man das, meine Damen und Herren, wenn Sie in Stroetmann’s Fabrik an Stellwänden vorbeigehen.) und anderer hochtrabender Wortneuschöpfungen, die Erfinder der „Dachmarke“ Emsdetten und des „Zukunft-Machens“ sind vor allem Marketing-Experten in eigener Sache. Ihre elitäre Managersprache hat nur einen Zweck, dass wir ihre tatsächliche Inhaltsleere nicht hinterfragen und sie uns ihr PR-Produkt verkaufen können. Wir sollten darauf, Alfred Franke hat es im HFS deutlich gesagt, nicht hereinfallen, man kann diese so genannten Außendarstellungsoffensiven auch übertreiben.  

Wenn Sie, Herr Bürgermeister, dagegen einwenden, das Geld diene auch der Qualifizierung des eigenen Personals im Hinblick auf die Identifikation mit der „Dachmarke“ Emsdetten, dann erwidern wir: Viel dringlicher scheint Personalentwicklung unter Ihrem Dach punktuell an anderer Stelle notwendig zu sein. Jüngste Vorfälle im Jugendhilfeausschuss jedenfalls zeugen von einem Klima im Rathaus, das das ein oder andere Personalführungsseminar dringend angebracht erscheinen lässt. Wenn dieser Zustand ausgeräumt ist, dann – ich zitiere Ihre Vorlage zum Thema „Kommunikationsprojekt“ vom 17.09.07 – ,dann „erhöht sich das Identifikationspotential der Mitarbeiterschaft“ automatisch.  

Mit Imagepflege wollen CDU und Bürgermeister auch ein anderes Problem in den Griff bekommen: 10.000 € sollen helfen durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit eine „Imageverbesserung der Marienhauptschule“ herbeizuführen. Selten, meine Damen und Herren, war ein Unterfangen realitätsferner. Denn: dass wir eine sehr gute Hauptschule in Emsdetten haben, ist allen bekannt. Auch den Eltern. Das hindert sie aber nicht daran, bei der jährlichen Abstimmung mit den Füßen diesem Schultyp regelmäßig den Rücken zu kehren und daran werden Sie auch mit hundert Imagekampagnen nichts ändern. Weil es sich nämlich um ein Problem unserer Schulstruktur handelt, das Sie – trotz PISA und anderer Studien – ignorieren, nein – ich will mich korrigieren – mittlerweile ignorieren müssen, weil es andere Order von oben gibt.

Das dreigliedrige Schulsystem gibt es noch ganzen in 19 Ländern. 16 davon liegen in Deutschland. Und insbesondere die Landesregierung von NRW bemüht sich darum, dass es auch so bleibt. Sie klammert sich bei der Interpretation von Statistiken an jeden Strohhalm und feiert auf ihrer Homepage schon wieder die „Stabilisierung der Hauptschulen“.  

Eigentlich wissen es aber alle besser, insbesondere die Schulforschung, deren Vertreter, Prof. Ernst Rösner, von der CDU eigens um seine Auffassung gebeten, eindeutig formuliert hat: Dieser Schultyp ist ein Auslaufmodell, nachzulesen u.a. in seinem Buch „Hauptschule am Ende“.

Das hat die CDU hier in Emsdetten, anders als Herr Rüttgers und Frau Sommer in Düsseldorf, ja eigentlich längst begriffen. Deshalb beobachten wir mit einigem Vergnügen ihren schulpolitischen Eiertanz: Am Anfang stand der schon fast revolutionär anmutende Prüfauftrag an die Verwaltung, ob die Marienschule  nicht in eine Gesamtschule ( Für manche ein grässliches Wort, Frau Meier sagt auch lieber Einheitsschule, das klingt noch ein bisschen mehr nach Sozialismus.) umgewandelt werden kann. Wohl wegen der Entwicklungen in Düsseldorf hieß es dann aber schon in der Vorlage der Verwaltung dazu, dass das alles nicht möglich sei und es am Endes wohl das Beste wäre,  erst einmal alles beim Alten zu lassen und das Image der Hauptschule zu verbessern – trotz einer Anhörung des Experten Rösner.  

Im eigenen Widerspruch aus Einsicht in schulpolitische Notwendigkeit und Nibelungentreue zur Landesregierung gefangen, haben Sie das Projekt jetzt erst einmal auf die etwas längere Bank geschoben und lassen – da ist das Zauberwort schon wieder – über die „Emsdettener Schule der Zukunft“ nachdenken. Wenigstens wird weiter nachgedacht, aber ob das für die Emsdettener Eltern, die sich bei der revolutionären Annäherung der CDU an die Gesamtschule schon Hoffnungen gemacht haben, noch transparent ist?  

 „Transparenz“, das ist übrigens auch so eine Vokabel, die der Bürgermeister im Zusammenhang mit dem Thema Kommunikation gerne für sich in Anspruch nimmt. Ob seine Ankündigung, künftige Projekte der Stadt nicht mehr in Arbeitskreisen von Fraktion und Verwaltung vorbereiten zu lassen dieser Transparenz dient, ist wohl mehr als zweifelhaft.  

Transparenz vermissen wir aber hier und da auch in der Information der Politik durch die Verwaltung.

Durch den Rechnungsprüfungsbericht wird zu der vom Rat beschlossenen Dienstwagengestellung für den 1. Beigeordneten festgestellt, dass es dazu durchaus  unterschiedliche juristische Auffassungen gibt, über die die Politik wenigstens hätte informiert werden müssen. Wurde sie aber nicht.  

Darauf angesprochen, haben Sie, Herr Bürgermeister, kurzerhand „den juristischen Laien“ ihrer Verwaltung die Kompetenz abgesprochen, darüber überhaupt zu urteilen und selbige für sich allein in Anspruch genommen. Transparenz haben wir als Politiker dort nicht verspürt.  

Und hat die Verwaltungsspitze nicht auch im Falle des „Treffs am Mühlenbach“ auf mehrmalige Anfrage von Seiten der Politik versichert, dass das Projekt planungsrechtlich abgesichert sei, was sich am Ende aber als Flop herausstellte.

Nur der Kulanz der Anwohner des Jugendtreffs ist es zu danken, dass aus der zweifelhaften Interpretation der entsprechenden Verordnung durch die Verwaltung nicht ein Desaster für das im Schnellverfahren durchgezogene Projekt wurde.  

Der Ratskollege Dietz von der CDU ist in der neuen Ausgabe des „Zwischenberichtes“ seiner Partei ja denn auch sehr vorsichtig und formuliert in Bezug auf den „Treff am Mühlenbach“ nicht die sonst üblichen Lobeshymnen, sondern nur: „Unsere Jugend ist es wert, intensive Diskussionen zu führen, um ihnen Angebote zu ermöglichen.“ Bemerkenswert bescheiden, und das hat wohl auch seinen Grund.  

Womit ich abschließend nicht umhin kann, auch direkt auf diese Ihre Wahlkampfbroschüre einzugehen. Sie ist einmal mehr, meine Damen und Herren von der CDU, Ausdruck des Ihnen – und hier haben Sie nichts dazugelernt in den letzten Jahren – eigenen Politikstils, der geprägt ist von der Ignoranz gegenüber der Arbeit der anderen Fraktionen dieses Rates. Nicht nur, dass sie wie üblich alle Ergebnisse der Emsdettener Kommunalpolitik als Erfolg Ihres Handelns vereinnahmen, obwohl mehr als 90 % aller Entscheidungen diese Hauses einstimmig oder mit großen Mehrheiten fallen. Auch Initiativen, die eindeutig von anderen Fraktionen ausgehen, schreiben Sie sich zu. Für die Fraktion der SPD nenne ich da noch einmal konkret den HandwerkerGewerbePark, die Schuldnerberatungsstelle und das Sozialkaufhaus.  

Die von Ihnen angestellten Werbeprofis gruppieren die CDU – Lobeshymnen geschickt um Ihr Parteilogo, was allerdings auch bisweilen groteske Züge annimmt.

Zum Beispiel, wenn es um die Erfolge der Emsdettener Sportvereine geht. Wahrscheinlich werden die Badmintonspieler demnächst mit einem CDU-Logo auf der Brust die Siegertreppchen besteigen müssen.

Oder besser noch: Vielleicht sollten die Mitglieder der CDU -  Fraktion künftig höchstpersönlich im Muskelshirt zur Siegerehrung bei den Kanuten schreiten, weil ja ohne ihre Politik auch deren Erfolge nicht möglich wären. So vermittelt es jedenfalls Ihr Heftchen.  

Ihre Argumentation unterliegt einer banalen Logik:

Aus Ihrer absoluten Mehrheit im Rat leitet die CDU in Emsdetten ganz einfach den „Alleinvertretungsanspruch“ für alles erfolgreiche politische Handeln in Emsdetten ab. Das ist eine unerträgliche Form der Selbstbeweihräucherung, der wir auf keinen  Fall die Absolution erteilen.  

Die Abstimmung über den Haushaltsplan einer Kommune ist nicht nur Abstimmung über nüchterne Finanzzahlen. Sie ist immer auch eine Abstimmung über politische Grundsätze und die Art und Weise ihrer Umsetzung. Es wird Sie nach meinen Ausführungen deshalb nicht wundern, dass wir doch keinen roten Haken an diesen Etat machen, wir lehnen ihn ab, auch damit die CDU ihrem „Alleinvertretungsanspruch“ vollständig gerecht werden kann.  

Ausdrücklich danke ich namens der SPD Fraktion allen Mitarbeitern der Verwaltung, insbesondere Herrn Schetter und seinem Team, für die mühevolle Aufbereitung aller  Zahlen und die gesamte Arbeit im vergangenen Jahr. Vielleicht gestattet Ihnen Ihr Chef zum Jahresabschluss ja einen guten Schluck Glühwein statt Kaffee aus Ihrem „Zukunftsbecher“, sie haben ihn verdient.  

Ihnen allen wünsche ich schon jetzt ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr.