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wir
haben durchaus Grund stolz zu sein. Stolz auf vieles, was in den letzten
Jahren erreicht worden ist. Ich meine damit – trotz allem Ärger, der
damit verbunden war und ist - unseren Bahnhof mit seinem Umfeld, der
sicherlich in Nordrhein-Westfalen seinesgleichen sucht. Ich meine damit,
was wir schon für die Innenstadt auf den Weg gebracht haben: Wir können
stolz sein auf die Umgestaltung des Katthagen, des Kleinen Brink, der
Frauenstraße und auf die Bausteine, die im Jahr 2009 verwirklicht werden.
Wenn ich mich an die vielen Gegenstimmen und auch Anfeindungen erinnere,
an die Stimmungsmache gegen dieses Projekt, dann kann man heute, glaube
ich, behaupten, ohne den festen gemeinsamen Willen von CDU und SPD wären
diese beiden Projekte für Emsdetten nicht zu verwirklichen gewesen. Es
gibt also durchaus einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden großen
Fraktionen – was allerdings nichts mit einem Schmuse- oder Kuschelkurs
zu tun hat; bei diesen Begrif-fen denke ich an Vieles, aber bestimmt
nicht an die CDU - und oft
gibt es auch Gemein-samkeiten zu den Grünen, der Liste und sogar zur FDP,
und dieses insgesamt gute Klima im Rat ist durchaus einer der Faktoren,
der diese Stadt stark macht. Bei
manchen Übereinstimmungen sollte man aber nicht übersehen, dass es
sehr wohl gravierende Unterschiede in den politischen Auffassungen
zwischen SPD und CDU gibt. Ich möchte heute diese Haushaltsrede nutzen,
um Ihnen drei Visionen vorzustellen, drei Alternativen zu einer
CDU-Politik. Drei Punkte, mit denen die SPD im kommenden Jahr für sich
werben möchte. 1.
Bei den Plänen für die Innenstadt spielt ein Platz kaum eine Rolle,
obwohl er ursprüng-lich einmal das Herz der Stadt darstellen sollte: der
Marktplatz. Dieser ist in seiner jet-zigen Gestaltung ein städtebauliches
Fiasko, heute würde kein Architekt einen solchen Platz planen. Dennoch:
wir können nicht die anderen Bereiche neu gestalten und den Marktplatz
links liegenlassen. Gerade jetzt, wo es gemeinsamer Wille der Fraktionen
ist, den Markt auf den Brink zu verlagern, ist es notwendig, für diesen
ein neues, oder anders gesagt, überhaupt ein Konzept vorzustellen. Wie
könnte der Marktplatz 2014 gestaltet sein? Ganz bestimmt nicht als
Parkplatz. Das ist nun wirklich die – Entschuldigung – dümmste und
auch phantasieloseste Lösung.
Mit diesen Fotos möchten wir nicht sagen:
genauso soll eine Verglasung aussehen, aber wir wollen verdeutlichen, dass
es Lösungen, die auch bezahlbar sind, für den Marktplatz geben kann und
dass es eine Frage des politischen Willens ist, diese umzusetzen. Es ist
dann natürlich Aufgabe von Architekten und Statikern, ein optimales
Ergebnis vorzustellen. Dies könnte dann auch Ergebnis eines weite-ren
Wettbewerbs sein. Grundsätzlich
ermöglicht ein Windschutz, den Platz stärker für Außengastronomie zu
nutzen. Wir stellen uns vor, dass ein neues Gebäude auf dem Platz
entsteht, und zwar in Richtung des Josefstifts, sodass der Platz natürlich
weiterhin für Veranstaltungen wie den Emsdettener September, Karneval
oder Kirmes zu nutzen ist. Das Gebäude kann selbstverständlich kein
mehrstöckiger Klinkerbau sein, sondern auch hier sollte mit viel Glas
gearbeitet werden. Dort sollte ein Café unterge-bracht werden, das dann
deutlich zur Belebung des Platzes beitragen könnte. Für ein solches Café
gibt es auch bereits Interessenten. Eine
weitere Möglichkeit auf dem Marktplatz ist die Eröffnung einer zentralen
Jugendein-richtung. Natürlich kein Jugendzentrum mit ständiger Party,
aber ein offener Treff mit verschiedenen pädagogischen Angeboten, der
Jugendlichen in der Innenstadt eine Anlauf- stelle bieten könnte. In
Emsdetten hört man im Moment oft: ihr investiert in Steine und
gleichzeitig machen in Emsdetten die Läden zu. Da ist natürlich etwas
Wahres dran. Die Situation im Einzelhandel ist teilweise beängstigend.
Wir wissen alle noch nicht, was im Real-Markt passieren wird, nach wie vor
gibt es kein Konzept für die Villa Nova, einige inhabergeführte Geschäfte
ha- ben geschlossen oder werden schließen. Diese Nachrichten sind aber
nicht nur beängstigend: manche Schließung lässt sich für die Stadt
durchaus auch als Chance begreifen, Neues in Emsdetten anzusiedeln. Gerade
in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit brauchen wir Visionen, wir müssen
ein Klima schaffen, dass Emsdettener aber auch Aus-wärtige sagen können:
hier bin ich gern und hier kaufe ich auch ein. 2.
Wir brauchen neue Visionen für Emsdettens Süden. Das
Gebiet um die Blumenstraße könnte stärker zu einem Sport- und
Freizeitzentrum für Emsdetten ausgebaut werden. Wir haben dort bereits
das Freibad, einen großen Spiel-platz, die Tennisanlage und – ganz
wichtig – den gerade bei Familien sehr beliebten Stadtpark. Wir
wissen alle, das Hallenbad ist abgängig, weitere Investitionen dort sind
nicht mehr lohnend. Alleine für das kommende Jahr sind im Hallenbad
Investitionen von etwa 300.000 Euro dort vorgesehen, Geld, das letztlich
in den Sand gesetzt wird. In
der jetzigen wirtschaftlichen Situation ist es sicherlich vermessen zu
sagen, wir versprechen für das Jahr 2010, ein neues Hallenbad am
Freibad zu bauen. Aber wir Sozial- demokraten möchten in der nächsten
Legislaturperiode dieses Thema in die Hand nehmen. Für die Nutzung eines
Hallenbads ist der Bereich des Freibades ideal geeignet. Ich
möchte hier heute nicht ins Detail gehen und nur soviel sagen, dass es
kein Spaßbad wie das Aaseebad
in Ibbenbüren werden kann. Wir werden im Frühjahr Pläne vorstellen,
zurzeit arbeiten Architekten daran. Ich
möchte im Augenblick nur zusagen, dass wir noch vor der Kommunalwahl
neben Plänen zur Gestaltung auch eine Aufstellung der Kosten und Vorschläge
zur Finanzierung vorlegen werden. So viel nur im Augenblick: wir planen
eine Lösung, die für den Bau sicherlich auch Geld kostet, aber durch die
Zusammenlegung von Freibad und Hallenbad über die Jahre auch Kosten in
erheblicher Höhe in der Unterhaltung einspart. Noch einmal: in der nächsten
Legislaturperiode soll der Startschuss erfolgen. Ach
ja, was könnte mit dem alten Hallenbad passieren? Wie wäre es mit einer
neuen Ball-sporthalle, so sich diese kostengünstig in dem alten Gebäude
unterbringen lässt – Becken raus – Hallenboden rein. Wer weiß, wie
viel Probleme gerade die Fußballvereine haben, im Winter Trainingszeiten
in der Halle zu bekommen, der weiß auch, wie notwendig eine solche neue
Ballsporthalle ist. Zu
den Visionen für Emsdettens Süden gehört auch, dass für Emsdetten 05
endlich die Möglichkeit geschaffen werden sollte, die bisher als natürlich
empfundene Trennung durch die Bahnlinie zu überwinden. Wir können uns
hier – also jenseits der Bahn - auch gut neue Fußballfelder
vorstellen. Die
Erschließung dieses Gebietes kann nicht primär über die Blumenstraße
verlaufen. Das Ganze verlangt eine verkehrliche Erschließung, die im
Zusammenhang steht mit der Be-siedlung des neuen Gewerbe- und
Industriebereichs, die dann langfristig bis zur neuen Westumgehung
verlaufen wird. Dies bedeutet u.a., dass die Planung des Gebietes 17 CII,
also grob gesagt der Verbindung zwischen dem Gewerbegebiet am Südring und
dem an der Fiegekreuzung, vorangetrieben wird. Die weitere
wirtschaftliche Prosperität Emsdettens wird von der Entwicklung dieses
Gebiets – neben dem Bau der Westumgehung – entschei-dend abhängen. Nach
der Krise durch den Niedergang der Textilindustrie – mit in der Hochzeit
einer Arbeitslosigkeit von über 18% - war es der Aufbau des neuen Gewerbe-
und Industriege-bietes am Grevener Damm, wodurch für Emsdetten die Wende
geschaffen wurde. Das neue Gebiet gibt uns die Chance, wiederum
einen ähnlichen Impuls zu geben. Das
Martinum wird hoffentlich gebundene Ganztagsschule, hoffentlich mit
Unterricht an drei Nachmittagen in der Woche und hoffentlich mit einem
Konzept, das Eltern, Schüler und Lehrer mitnimmt. Wo der Rat Unterstützung
anbieten kann, wird er das sicherlich tun. Wir
brauchen darüber hinaus in Emsdetten die Gemeinschaftsschule. Eine
Schule, in der Schüler sowohl den Realschulabschluss als auch den
Hauptschulabschluss erwerben kön-nen, und die eng mit der Oberstufe des
Gymnasiums kooperiert. Für mich bedeutet diese Gemeinschaftsschule
inhaltlich und konzeptionell einen gewaltigen Fortschritt, weil dort die
Schüler besser gemäß ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten gefördert
werden können. Ich
sehe das aber auch ziemlich ideologiefrei. Die Schülerzahlen sinken und
wer heute meint, ein einfaches „Weiter so“ sei noch eine mögliche
Antwort, der wird bald feststellen, dass der Zug abgefahren ist und noch
mehr Emsdettener Schüler in umliegenden Gemeinden zur Schule gehen. Wir hätten
dann gut ausgebaute Schulgebäude, aber nicht mehr ausreichend Schüler,
die diese Gebäude nutzen – sie stünden dann leer. Zur
Bildung gehören natürlich auch ausreichende Kindertages- und
Kindergartenplätze. Wir sind der Auffassung, dass diese in Emsdetten
kostenfrei angeboten werden sollen. Zum Teil wollen wir zur
Gegenfinanzierung das Programm „Familien gewinnen“ nutzen. Dazu
gehört auch, dass für alle Schüler ihre Lernmittel bezahlbar sind, und
dass alle Kinder die Möglichkeit haben, in der Schule mittags zu essen.
Wir bezeichnen Emsdetten oft als lebens- und liebenswert. Zu recht. Wie
lebens- und liebenswert eine Stadt ist, ent- scheidet aber nicht die Zahl
der Villen, nicht die Zahl der Nobelkarossen, nicht die Art der Steine in
der Innenstadt, sondern entscheidend dafür ist, wie wir mit
Benachteiligten umgehen, insbesondere mit benachteiligten Kindern. Zu
einer Ganztagseinrichtung gehört das gemeinsame Mittagessen
schlicht und einfach dazu – auch aus pädagogischen Gründen. Dies
sollte selbstverständlich für alle Kinder gelten. An
diesem Punkt zeigt sich beispielhaft was den wesentlichen Unterschied
zwischen SPD und CDU ausmacht – wir möchten dieser Stadt ein soziales
Gesicht geben. Viel
diskutiert wird natürlich auch über „die“ Jugend. Brauchen wir ein
Jugendzentrum, wie viel aufsuchende Jugendarbeit soll es sein, welche Möglichkeiten
bietet das alte Klärwerk? Für
die SPD heute und jetzt nur drei Punkte: ja, wir brauchen ein
Jugendzentrum; ja, wir müssen die Jugendlichen wieder stärker in die
Innenstadt holen und hier entsprechende Angebote machen. Nein, das Ganze
kann nicht nur virtuell im Internet passieren. Ich
könnte noch über viele Themenfelder sprechen, in denen sich deutlich die
Handschrift der SPD wieder findet: über den Handwerker- und Gewerbepark,
über die Schuldner- beraung, über das Sozialkaufhaus und anderes. Das
will ich nicht tun. Stattdessen
noch ein kurzer Blick auf die Wirtschaft. Ja, man kann eine Krise auch
herbeireden, und im Augenblick entwickelt sich manches tatsächlich wie
eine
„self-fulfilling prophecy“. Aber man
darf auch nicht die Augen verschließen. Einer Reihe von Unter- nehmen in
Emsdetten geht es im Augenblick schlecht, teilweise sehr schlecht.
Emsdetten ist eine wirtschaftlich starke Stadt. Wir brauchen auch
Visionen, damit die Wirtschafts- krise in Emsdetten nicht so durchschlägt
wie viele befürchten. Trotzdem
verheißt die Krise für das nächste Jahr nichts Gutes: Der Bürgermeister
musste den Gewerbesteueransatz bereits um eine Millionen Euro nach unten
korrigieren. Ich fürchte, das wird nicht reichen. Dieser
ganze Haushalt steht auf sehr wackligen Beinen, man könnte auch sagen, er
ist unseriös. Die
Anträge der SPD zum Etat haben bei den Haushaltsberatungen zum weit überwiegen- den
Teil keine Mehrheit gefunden. Von daher wird es Niemanden überraschen, dass die SPD dem Haushalt nicht zustimmt. Ich
wünsche uns allen einige ruhige und besinnliche Tage. Ich möchte mich
herzlich bei allen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern der Verwaltung bedanken. Oft reklamieren Bürger-meister
und Politik Erfolge für sich, die von Ihnen erarbeitet worden sind. Am
Anfang dieser Rede habe ich über eine Stärke dieses Rates gesprochen –
Probleme sachbezogen anzugehen und persönlich fair miteinander
umzugehen. Lassen Sie uns die nächsten Monate so gestalten, dass das auch
nach dem 7. Juni noch möglich sein wird. Vielen
Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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