aus dem Emsdettener Tageblatt vom 04.05.2000
Ministerin: Nicht immer gleich
nach Düsseldorf schielen
Diskussion mit Ministerin Birgit Fischer
-ch- Emsdetten. Eigentlich hätten alle Diskussionsteilnehmer allen Grund zur Freude gehabt, am Dienstagabend im Lichthof von Stroetmanns Fabrik. Schließlich ist die Grundstimmung unter den Jugendlichen derzeit so optimistisch wie selten zuvor, verkündete gleich zu Beginn Birgit Fischer, ihres Zeichens Ministerin für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit in der Düsseldorfer Landesregierung. Denn viele der 3,5 Millionen NRWler unter 18 Jahren lebten in zufriedenstellenden sozialen Verhältnissen und ergriffen später einen Beruf, der zu ihren Interessen und Fähigkeiten passe.
Und
dennoch gab es genügend Zündstoff in der Diskussionsrunde, zu der die
Emsdettener SPD Vertreter der Schulen, Jugendeinrichtungen und des Sportes aus
dem Kreis eingeladen hatte. Auf einige der Problemfelder kam die Ministerin
bereits in ihrem halbstündigen Eröffnungsvortrag zu sprechen: Immer mehr
Familien - besonders in den Großstädten - haben mit schwierigen sozialen oder
finanziellen Verhältnissen zu kämpfen, worunter besonders die Kinder zu leiden
haben. Die Startbedingungen seien deshalb nicht für alle Jugendlichen gleich.
Das gelte auch für den Zugang zu Computern und Internet. "Wir müssen
gewährleisten, dass alle Jugendlichen Zugang zu den neuen Medien erhalten und
auch mit der Fülle dieser Informationen richtig umgehen können", so
Birgit Fischer. Dabei dürfe die soziale Kompetenz auf keinen Fall außer Acht
gelassen werden.
Weiteren Handlungsbedarf sieht die Ministerin in Überwindung der Distanz zwischen Jugendlichen und der Politik und der Gleichstellung zwischen Mädchen und Jungen. Kurz erläuterte die Ministerin "Schülertreffs in Tagesstätten" und "13+"- die neuen Aktionen der Landesregierung zur Förderung der Jugendlichen.
An dem anschließenden Dialog nahmen neben Birgit Fischer Marita Haude vom Kreis-Jugendhilfe-Ausschuss, Ulrich Fischer vom Kreissportbund und Kreisjugendring, SPD-Landtagskandidatin Elisabeth Veldhues sowie die Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer als Moderatorin teil. Dabei ging es vor allem um die Regelungen bei den Kinder- und Tagesstätten, die Verknüpfung der Jugendarbeit durch die verschiedenen Träger, sowie den inhaltlichen Rahmen des Landesjugendplans, der von einigen der gut 40 Gästen kritisiert wurde. Während der Diskussion warnte die Ministerin mehrfach davor, bei Problemen immer gleich nach Düsseldorf zu schielen:
"Natürlich muss das Land ebenfalls anpacken, aber auch die Kreise und Kommunen sind hier gefordert." Vor Ort ließen sich, so Birgit Fischer, die Probleme viel besser erfassen.